Bernstein

Bernstein (C10H16O) ist 20-40 Mio. Jahre gehärtetes Baumharz. So weit so gut – und jetzt: MEIN Wissen und meine Erfahrng mit Bernstein, wie ich es „lese“. Keine Wissenschaftliche Erklärung (aber ich glaube es hätte vor Gericht Bestand :-).

Baltische Herkunft

Der dänische Bernstein ist in Wirklichkeit baltischer Herkunft mit einem Alter von 20-40 Mio. Jahren. Hier standen riesengroße „Bernsteinwälder“ mit Bäumen, die enorme Mengen Harz produzierten. Vielleicht als ein Schutz aus der großen Dinosaurierzeit, welche vermutlich große Schäden an den Bäumen anrichteten. Der Bernstein wurde während der letzten zwei Eiszeiten vor 20.- und 40.000 Jahren mit gewaltigen Gletschern, die eine Dicke von bis zu 3,5 km hatten, hierher gebracht.

Diese Gletscher verursachten darüber hinaus einen enormen Druck, wirkten dadurch wie ein Hobel über die Landschaften und nahmen alles lose mit – darunter auch Bernstein, ebenso wie festere Bestandteile.

Später beim Abtauen wurde gigantische Mengen von Bernstein durch die Schmelzwasserflüsse in die Meere rund um uns gespült, wo sie sich am Meeresboden ablagerten, zusammen mit MENGEN von Sand und Gestein. Also als Quelle für die Bernsteinfunde, die wir entlang Dänemarks Küsten machen – doch weiter im Norden auch in der Erde, da dieser Teil Dänemarks aufgrund des Drucks des Eises unter der Meeresoberfläche lag.

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Die Funktion des Baumharzes

Baumharz funktionierte damals wie heute ein bisschen auf die gleiche Weise wie unser Blut. Unser Blut hat darüber hinaus, eine Menge zu transportieren wie Sauerstoff, Kohlendioxid und Nährstoffe, die Aufgabe zu koagulieren, d.h. zu gerinnen, um Krusten über Wunden zu bilden und Verletzungen zu schließen. Dieses ist die wichtigste Aufgabe, die Baumharz hat.

Im inneren des Baumes, als eine dünnflüssige, besonders klebrige Masse. In dem Augenblick, wo ein Loch in die Rinde kommt, wird umgehend viel Harz ausgepumpt, teils als Verteidung vor dem Schadensverursacher (ein Relikt aus der Zeit der Dinosaurier, die grosse Schäden am Baum verursachen konnten) und teils als „Reparaturmasse“, um die Verletzung zu schliessen. Während des Auslaufens, welches unter relativ hohen Druck geschieht, wird das Harz mit knapp 1 Mio. kleinen Luftpartikeln angereichert. Etwa so, wie wenn man Sahne aus einer Spraydose sprüht. Oder vielleicht besser erklärt wie etwa, wenn wir Eiweiss schlagen. Eiweiss ist in seiner ursprünglichen Form ja durchsichtig. Je mehr Luft wir hereinschlagen, desto weisser wird es.

Diese Luftpartikel verursachten, dass das Baumharz blitzschnell dickflüssig und undurchsichtig wurde, in den meisten Fällen „Milchbernstein“, während andere „Verletzungen“ am Anfang so gross waren, dass das Harz in dicken Strömen herausfloss ohne das Luft hineingemixt wurde. Klarer, durchsichtiger Bernstein!

Baumharz mit Luftpartikeln hatte seine grösste biologische/mechanische Relevanz, da es ja direkt die Verletzung am besten schloss und versiegelte. Daher ist die Menge Bernstein, die man findet, auch nach meiner Meinung ganz einfach verteilt auf ca. 75% „Milchbernstein“ – der Rest in Form von klaren Stücken – welche ohne eigentliche „Heilungsfunktion“ waren – aber vielleicht eine Warnung vor einem neuerlichen Angriff. Denn wer hat schon Lust, diese klebrige Masse in den Mund zu bekommen??

Die Faben des Bernsteins

(Von weiss zu braun)
Darüber hinaus, dass verschiedene Baumsorten Harz verschiedene Farbnuancen geliefert haben, ist der grösste Farbunterschied meiner Meinung nach ein Stück unter der Erde entstanden. Die gigantischen „Bernsteinwälder“ im Baltikum hatten einen plötzlichen Tot während einer grossen Naturkatatrophe erlitten.

Bäume, Harz usw. endeten mit der Zeit verhältnismässig tief unter der Erde, wo ein relativ hoher Druck und eine hohe Temperatur (geschätzt um 250 Grad) das Harz zu dem Bernstein aushärteten, den wir heute kennen. Während dieses „backens“ entwickelte sich eine dunkle, rot-braune Farbe, welche man in den schönen roten „Steinen“ und auch in den „Vertiefungen“ von ansonsten milchgelben Stücken wiederfindet, welche somit zweifarbig sind.

Man muss sich vorstellen, dass aller Bernstein in seiner Ursprünglichkeit diese dunkle, rötlich-braune Oberfläche hatte. Aber der Bernstein wurde ja auf dem Weg in den Gletschern zerteilt und geschliffen, wobei ein Teil der Oberfläche (1 – 1,5 mm) ganz einfach vom eigenen „Bernsteinschleifer“ der Natur entfernt wurde. Später, als der Bernstein im Meer endete und durch Stürme freigemacht wurde, rollte er auf dem Boden des Meeres herum, wobei weitere Farbe abgeschliffen wurde.

Wir haben also verschiedene Bernsteinfarben – von dem absolut luftgesättigten Bernstein, elfenbeinweiss über den undurchsichtigen gelben Bernstein (etwas weniger Luftpartikel) bis zu allen Farbtönen in den klaren Stücken, von ganz hell Citringelb bis zu der dunkelroten, fast bräunlichen Farbe.

Die klaren Stücke sind ganz klar meine Favouriten! Ich belasse die Unterseite des Klumpens immer ungeschliffen – damit bewahre ich die originale Farbe, die schöne, lebendige Lichtverteilung der Oberfläche und man schaut fast wie durch ein Vergrösserungsglas hinunter auf dieses Scenario in meinen Schmuckstücken.

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Jet / Gagat

Das schwarze Gold des Meeren – der unbekannte Edelstein. Die meisten wissen, das man Bernstein an der dänische Küste finden kann. Im Gegenzug wissen die wenigsten, dass man auch Gagat an unseren Stränden finden kann. Und es wundert mich jeden Tag, dass dieser Stein so unbekannt ist, wenn ich meinen Kunden meine handgemachten Schmuckstücke vorstelle (welche im übrigen sehr oft mit Gagat kombiniert sind).

Es wundert mich, weil: Als erstes findet man Gagart meist in der Nähe vom Berstein, da es fast das gleiche Gewicht hat und teils, weil Gagat 3 x soviel wert ist wie Bernstein und nicht zuletzt weil Gagat Europas absoluter Modestein während 6 Jahrzehnten war, von 1908 – 1968. 1968 kam der schwarze Onyx auf den Markt und verdrängte Gagat fast vollständg von seinem Platz und findes sich praktisch gesehen nur noch in England als Schmuck – und natürlich auch bei mir :-)

Geschichte

Wir gehen mal in der Zeit zurück – laaange zurück. So lange zurück, dass wir in der grossen Dinosaurierzeit landen, vor 80 Mio. Jahren. Damals gab es natürlich auch Bäume.Einige dieser Bäume endeten später nach Millione von Jahren tief im Erdreich und wurde unter enormen Druck und hohen Temperaturen zu Jet – oder der deutschen Bezeichnung – Gagat umgeformt. Es ist also gut doppelt so alt wie der dänische Bernstein, aber als Baum hat es selbst Harz gebildet und damit vielleicht auch Bernstein?

In meiner Butik habe ich, soweit ich es herausfinden konnte – ein ganz einzigartiges Stück Gagat, gefunden am Houstrup Strand. Durch einen Zufall habe ich dieses Stück so aufgesägt, dass gut erhaltene Jahresringe sichtbar wurden, welche die Herkunft dieser Steinkohle dokumentieren. Denn das ist es, was es ist – ganz unromantisch – Steinkohle, aber mit seinen 98% Kohlenstoff nur 2% von einem echten Diamanten entfernt – und damit immer noch ein Edelstein und gut geeignet zur Schmuckverarbeitung.

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Der dänische – oder vielmehr der Gagat, den wir hier am Strand finden, kommt von den Küsten Englands, wo es das größte natürliche Vorkommen von Gagat gibt. Hier wird er ausgewaschen – und bewegt sich entlang des Meeresbodens um zuletzt zusammen mit dem Bernstein am dänischen Strand angespült zu werden. Denn er ist verhältnismäßig leicht mit einer Dichte von 1,2 – 1,4 – nur geringfügig schwerer als Bernstein. Wie sieht er denn aus? Kohle ist ja schwarz – schwarz wie Kohle, und genauso sieht Gagat aus.

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Eine tiefe glänzende, seidenartige, mittelblanke Oberfläche, die sehr an die polierte Oberfläche von Bernstein erinnert. Und genau diese Eigenschaft macht es sehr geeignet für die Verarbeitung zusammen mit Bernstein und Silber. Er bewirkt auch einen fantastischen Kontrast zu den hellen Bernsteinfarben, aber bestimmt auch zu Silber. Und genau deshalb verarbeite ich ihn auch in einem großen Teil meines Schmucks – und die Kunden lieben es.

Faktisch ist der Bernstein mit in meinen Schmuck gekommen, weil ich, als ich 1998 mit der Schmuckherstellung startete, nicht so viel Bernstein hatte. Bekannter Weise lehrt „die Not Frauen zu spinnen“ – und als eine Art Erstattung für den fehlenden Bernstein probierte ich Gagat und Bernstein zusammen aus – mit überraschend gutem Resultat. Es wurde ein Erfolg vom ersten Versuch an. In früheren Zeiten wurde Gagat als „Sorgenschmuck“ und Grabschmuck verwendet. Gagat war im vorigen Jahrhundert ein sehr beliebter Schmuckstein – insbesondere genutzt für Perlen/Perlenketten.

Aber dann kam der schwarze Onyx auf den Markt – und Gagat von den meisten vergessen. Bei mir tauchte er durch einen regelrechten Zufall auf – bei meiner Suche nach Bernstein. Der Gagat erinnerte mich an Fettstein, aus dem ich einige Skulpturen hergestellt hatte – abgesehen vom Gewicht, welches ja fast nur die Hälfte ausmacht.

Ich brachte ein paar meiner Funde zu einem damaligen Steinhändler in Esbjerg um zu fragen, was das denn sei. Er reagierte zu meiner Überraschung leicht erregt auf das eine der Stücke – die zwei anderen waren Anthrazit (auch eine Steinkohle – aber entstanden durch viele Lagen herabgefallene Pflanzenteile) und rief fast, wo ich das denn her hätte. Es zeigte sich, dass er ein Ferienhaus seit 25 Jahren in Houstrup besaß – genau da, wo ich meine großen Stücke fand – ohne selbst jemals etwas gefunden zu haben – und darüber war er sichtlich irritiert.

Eigenschaften für die Gesundheit

Wie auch Bernstein wird Gagat nachgesagt, eine positive Einwirkung auf die Gesundheit zu haben. Er soll auf das 1. Chakra einwirken und gut gegen Gicht, Arthritis, Luftwegs Beschwerden, Heuschnupfen, Kopfschmerzen und schlechte Mandeln sein.

Gagat ist natürlich eine gute Energiequelle, aber wer wird sich das schon trauen – und solltest du versuchen, ihn anzuzünden, wirst du durch einen fürchterlichen Gestank gestraft. Verwendung Die Verwendung von Gagat ist idealerweise als Schmuckstein, aber er kann auch als oder in einem Messerschaft genutzt werden und anderes, wo „Zierstreifen“ eingearbeitet werden können. Des Weiteren hatte ich Besuch von einem Kunden, der mir erzählte, er sei Spektralanalytiker – also einer, der u.a. die Bestandteile von Metall analysiert.

Hierzu benutzte er Gagat – das Metall wird darüber gestrichen und hinterlässt die notwendigen Atome/Partikel, welche dann unter dem Elektronenmikroskop analysiert werden können.

Man kann also Gagat studieren – und Bernstein natürlich auch – und damit sogar Professor werden. So einen hatte ich auf jeden Fall zu Besuch. Euginio Raggazi, Professor an der Universität von Milano. Er erzählte mir, dass das bisher älteste Vorkommen von Bernstein und Gagat der Welt in der gleichen Schicht in Cortina D`ampetzzo gefunden wurde – 220 Mio. Jahre alt !!!

Also das, was wir hierzulande finden können, ist mehr im Jugendalter.

Kann man Gagat finden und wie?

Ganz biblisch kann man sagen – suchet und ihr werdet finden. Aber so leicht ist es leider nicht. Du muss an den Strand und suchen. Gagat wird nicht sehr häufig gefunden – im Gegensatz zum Anthrazit, der in großer Anzahl gefunden werden kann (siehe früher im Text).

Gagat wird gleichzeitig mit Bernstein an den Strand gespült, hier in unserer Gegend oft nach einem Süd-West-Sturm mit nachfolgendem Süd-Ost-Wind. Man findet recht schnell heraus, dass es viel Schwarz am Strand zu sammeln gibt – wie unterscheidet man also?

Die schwarzen Flintsteine fühlen sich hart an und sie sind schwer und kalt. Gagat hat ein bisschen die gleiche „Natur“ wie Bernstein – warm, weich und leicht. Im Vergleich zum Anthrazit, welches Gagat zum Verwechseln ähnelt, ist Gagat weniger geschliffen vom Sand und Meeresboden, mehr Bakelit-ähnlich. Gagat hat nicht den deutlichen Lagenaufbau – welcher durch hunderte von dünnen schwarzen Lagen entstand und im Licht glitzert.

Nimm einen Stein und schlag hart gegen das, was du untersuchen willst. Ist es Anthrazit, wird es leicht in viele Stücke zerbrechen. Gagat kann reißen und es ist eine glasartige Bruchfläche entstehen. Ist es Flintstein – ja dann kannst du dich sicherlich an die Erfahrung in deiner Kindheit erinnern. Bekommst du richtig klebrige und schwarze Finger – dann hast du einen festgewordenen Ölklumpen gefunden – (bad luck).

Holz in vielen Schattierungen kann auch schwarz sein, aber ist oft auch ein gutes Signal dafür, dass hier sowohl Bernstein als auch Gagat gefunden werden kann!

Gute Jagt !

Wedding Rings